Friday, January 19, 2007

Ein Stück vom Ende der Welt…Leben in Yattapatha



Leben in Yattapatha

Unberührt, still in erholsames Grün gebettet, sanft von der Sonne gestreichelt, die glanzvolle Natur, so mag es aussehen am Ende der Welt. Vielleicht habe ich es erlebt, vielleicht trage ich nun ein Stück vom Ende der Welt in meinem Herzen. Die Zeit auf dem ruhigen Fleckchen Erde, die ich mit einigen Freunden meiner Familie vom 23. Dezember 2006 bis zum 10. Januar 2007 durchlebt habe, hat mich mit neuer Kraft erfüllt. Endlich konnte ich ein wenig Abstand von den Strapazen der letzten Wochen gewinnen, um mich neu auf meine verbleibende Zeit auf Sri Lanka einzustimmen. Die Sendenhorster Ali, Edna und Jürgen sind Mitglieder der deutschen NGO „New Home Beruwala“ und betreuen mit ihrem srilankischen Partner Anura de Silva diverse Entwicklungshilfeprojekte.
Kaum am Flughafen angekommen, machten wir uns auf den Weg in Richtung Pellawatte. Mit dem vollbepackten Van versanken wir tiefer und tiefer in der satten grünen Landschaft, die uns schließlich vollends umhüllte. Die stickige Hitze Colombos ließen wir rasch hinter uns und eine kühle Brise wehte uns durch die Autofenster um die verschwitzten Nasen. Nach etwa drei Stunden erreichten wir auf holpriger Straße unser lang ersehntes Ziel: Yattapatha, das Tor zum srilankischen Dschungel.

Wir zogen bei der sympathischen Patenfamilie von Ali und Edna ein, bei Kamani und ihren drei Kindern Shasika, Madu und Leon. Mit herzlichen Küssen und Umarmungen wurden wir begrüßt, die Wiedersehensfreude war besonders bei den beiden Mädels überschwänglich, endlich konnten sie ein wenig Zeit mit „Ali and Jürgen Uncle“ sowie mit „Edna Aunty“ verbringen, auch „Nina Akki“ wurde sogleich herzlich in den familiären Kreis aufgenommen. Eine Zeit voller Naturerkundungen, Geschichten, Lachen und Freude konnte beginnen. Direkt auf einem kleinen Hang gelegen, mit einem überwältigenden Ausblick auf grüne Täler und Berge, zeigte sich unser kleines Paradies, geküsst von purer Natur. Schon nach den ersten Stunden, so schien es mir, hatte ich das Gefühl für Zeit und Raum völlig verloren. Zur Einstimmung in die erholsame Zeit nahmen wir nahe des Hauses ein erfrischendes Bad in einem klaren Quellbecken, das von einem Wasserfall durchspült wurde, ein wahrer Naturpool, der uns in den kommenden Tagen regelmäßig Kühlung bot. Am Abend zog ich bei den beiden Mädchen im Zimmer ein. Gleich in der ersten Nacht schreckte mich der Anblick einer handgroßen, haarigen Spinne über meinem Kopf auf, Naturerlebnisse haben eben auch ihre Kehrseite J. So bekam ich die erste Nacht kein Auge zu, ständig auf der Hut vor den zwar harmlosen, doch unliebsamen Besuchern. Ein paar Tage später riss mich auf Grund der intensiven Schocktherapie geradezu nichts mehr aus den Socken! Auf Erkundungstour begaben wir uns am folgenden Weihnachtstag. Wir besuchten einige Hausbesitzer, die im Rahmen der „New Home Beruwala“ Projekte eine neue Bleibe erhalten hatten und kamen mit ihnen ins Gespräch über ihre neue Lebensentwicklung. Am Abend starteten wir bei Christmasjazz und Kerzenschein unsere kleine Weihnachtsfeier mit ausgelassenen Wichteln. Oberwichtel Edna hatte kleine, liebevoll verpackte Präsente vorbereitet: Seifen, Zahnbürsten und -pasta, kleine Schutzengel, Radiergummis und Bleistifte sowie bunte Nagelpfeilen verbargen sich in den Geschenktüten, die besonders von Madu und Shasika mit leuchtenden Augen geöffnet wurden. Ein Heiligabend so ganz ohne Tannenbaum, Krippe, Weihnachtsmesse und Kälte war schon ziemlich „anders“ und da in unserer Familie das Fest von Jesu Geburt sehr stimmungsvoll und intensiv begangen wird, kam in mir ein Gefühl von Sehnsucht und Wehmut auf.

Doch die Zeit in Yattapatha brachte uns fern vom Stress des Alltags zurück zu vielen einfachen Dingen, zu denen ich in unserer übertechnisierten Welt den Bezug verloren hatte. Nie zuvor hatte ich erfahren, wie es sich ohne Strom leben lässt, kein Internet, eine wohltuende Abgeschiedenheit von der übereiligen, hitzigen Zivilisation. Um spätestens 6.30 p.m. verließ uns die „srilankische“ Sonne und schenkte uns die Dunkelheit. Mit Kerzenlicht und seicht lichtspendenden Öllampen saßen wir jeden Abend auf der offenen Veranda zusammen, tauschten das Erlebte und unsere Gedanken aus, sangen, tranken mit den Freunden von Kamanis Familie das ein oder andere Gläschen und lauschten dem Naturkonzert, das uns die Tierwelt, die Wälder, der Wind und der Wasserfall nahe des Hauses spielten, wir ließen uns einfach in Ruhe und Gemütlichkeit treiben. Ein ganz anderer, natürlicher Rhythmus spielte in uns. Fern von lichtverseuchten Städten, deren Künstlichkeit niemals pausiert, spürten wir neu das Ticken unserer inneren Uhr. Automatisch erwachten wir in der frischen Taukühle des Morgens und zeitig fielen uns die Augen in den frühen Abendstunden zu- die Natur gab uns unseren Lebensrhythmus vor, was für ein Gefühl, ich hatte es niemals gespürt! Einfach unerreichbar zu sein für die Probleme des Alltags die wir uns doch so oft selbst schaffen, keine tausend Telefonate führen zu müssen, sich nicht ständig dem Zwang ausgesetzt zu fühlen, sich den Kopf über die Zukunft zerbrechen zu müssen, die Angst in unserer Gesellschaft immer auf dem langsameren Zug zu fahren, sich dem allgemeinen Druck von Zeit und Terminen einfach ganz unverbunden zu fühlen - ich habe es genossen, diese Freiheit zu leben!































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4 comments:

Sandra said...

hey Nina,
wow, die fotos sind der Hammer und ich muss mal wieder sagen dass du sehr gut schreibst!
freut mich dass du dich ein bisschen erholen konntest.
Ich bin grade in den letzten Zügen meiner diplomarbeit, aber der Stress hält sich in Grenzen.
Ich freu mich schon wenn du wieder da bist! Dann gehen wir Tanzen, oder?
schmatz
Sandra

Uta Micaela said...

Liebe Wieni und vor allem liebe Nina!!!

Das ist alles toll, was Nina so bewegt hat!!! Vor allem auch die
Produktproduktion!

Hoffe sehr, dass Lara, Nina, Simon (falls er möchte) und ich mal Sri Lanka
wieder besuchen können. Würde mich auch sehr interessieren!!!

Erst einmal wünsche ich Nina einen guten Flug zurück und dann ein gutes
Eingewöhnen bei Schnee und Eis in Deutschland!!!

Bis bald sagt Uta-M.

Christoph said...

hi soulsister,

mein name ist christoph und ich arbeite fürs fernsehen. hierfür bin ich wiederum auf der suche nach yattapatha.
könnten wir uns vielleicht mal kurz über yattapatha unterhalten?

Christoph said...

achso, ich hatte ganz vergessen, dass man sich über blogger.com ja keine nachrichten senden kann. meine emailadresse ist hiener(at)jokerproductions.de!