Wednesday, October 04, 2006

Ayubowan!

Eine bisher wunderbare Woche neigt sich nun dem Ende zu und damit auch dem Höhepunkt-heute brechen die Colombopeople und ich zu unserem Relaxwochenende nach Hikkaduwa auf. Ich freue mich riesig, doch hege ich nicht all zu viele Erwartungen was die Freizeitgestaltung angeht. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es umso schöner wird, je weniger ich meine Wochenenden mit den Leutchen hier plane, denn mit ihnen ergeht es einem im Endeffekt doch immer anders als man denkt.
Doch das letzte Wochenende war überraschender Weise gar nicht von rumhängen und langweilen in Colombo geprägt. Am Freitag Abend ging es spontan zum „Majestic City“, einem Kino. Wir haben uns „Worldtrade Center“ angesehen. Der Film mit Nicolas Cage hat den Anschlag vom 11. September 2001 zum Thema. Doch ich rate Euch, verschwendet Eure Kohle nicht an den Streifen, denn alles in allem glänzte das “Highlight“ doch nur mit typisch patriotistischem US-Gehabe. Aber witzig fand ich es schon als der Superheld von den Marines auf einmal auf Deutsch in mein Ohr säuselte:“ Ich bin ein Marine, ich lasse niemanden im Stich, ihr seid meine Mission!“. Ich habe echt gejubelt als ich als einzige, zwischen Männercliquen und jungen Paaren sitzend, für zwanzig Minuten nur für mich verständliches Deluxekino genießen konnte (man sollte die Raubkopie, die man im Kino zeigt zuvor besser überprüfen ). Als ein unter den Trümmern eines der Türme verschütteter Polizist dann Jesus mit einer Wasserflasche als Vision vor sich sah während er dem Ende nahe war, musste ich dann ausnahmsweise mal den Übersetzer spielen- das war ein echt gutes Gefühl ganz unkompliziert alles direkt zu verstehen!
Samstagabend war dann mal wieder eine Feier angesagt, das Foto der Silberhochzeit hat mein nettes Brüderchen ja bereits reingestellt (Thanx Großer!). Wir waren ein wenig overdressed, aber normalerweise kann man für Srilankische Feierlichkeiten nie herausgeputzt genug sein. Na ja, nach zwei Stunden saßen wir dann im klimatisierten Auto nach Hause nach leckerem, Kuchen und kaltem Eiscafe.
Am Sonntag ging es dann in die nächste Runde- wir sind zu Mittag zum Galle Face Hotel gefahren. Ein leckeres Büffet in Meeresnähe, das war genau das Richtige, um ein nettes Wochenende zum Abschluss zu bringen.
In dieser Woche stand dann der Abschied von meinen Mädels vom „Dayanthi Cottage“ an. Ich habe ja mal berichtet, dass wir in dem Rehabilitationszentrum drei Mädchenwg’s in verschiedenen Gebäuden zu je 23 Personen haben. Um jedes Cottage betreuen zu können haben wir mit unserer Sister den Arbeitsplan entwickelt nach je einem Monat die WG zu wechseln. Nach vier Wochen Englischnachhilfe, Gesprächen über Probleme, Wünsche und Träume, gemeinsamer Gartenarbeit, unserem Kreativabend und ganz viel Lachen und Spaß- eben der Begleitung der Mädchen in ihrem momentanen Lebensalltag, flossen heute die Tränen auf beiden Seiten. Die jungen Damen sind mir halt sehr ans Herz gewachsen (wie das bei mir oft so ist, die innere gefühlsmäßige Trennung vom „Klientel“ ist eine Kunst die ich zu beherrschen noch erlernen muss ). Die Art und Weise wie sie mich verabschiedet haben hat mich verblüfft. Am Dienstagabend kamen Bianca und ich zum Cottage, um den Kreativabend durchzuführen. Das Licht war aus, ich betrat das Cottage und über mir zerplatzte plötzlich ein Ballon laut knallend- glitzerndes Konfetti rauschte auf mich herab. Dann ging das Licht an. Ich stand vor einem großen Schild mit bunten Lettern „Thank you dear Nina“ hatten die Mädchen mühevoll auf einer Leinwand angebracht. Dann fingen sie an zu singen, einen Gospel den ich ihnen beigebracht habe “This little light of mine“.
Ich war echt berührt, mir kamen fast die Tränen und ich habe übers ganze Gesicht gestrahlt.
Dann habe ich von einem Mädchen einen Abschiedsbrief bekommen, unterschrieben von allen Mädels:“ An einem wunderschönen Tag bin ich Dir im Good Shepherd Konvent begegnet. Du bist mir wirklich eine wahre Freundin geworden. Obwohl Du von fern her kamst bist Du zu einer Freundin für uns alle geworden. Ich habe Deine Liebe und Güte erfahren. In der Zeit die Du mit uns verbracht hast waren wir glücklich, es war eine Zeit voll Freude. Danke für alles was Du für uns getan hast, ich bin sehr dankbar dafür. Ich werde Dir schreiben und Dich niemals vergessen. Ich werde für Dich beten und wünsche Dir das Beste für Deine Zukunft. Gott segne Dich meine Freundin…“
Ich weiß immer noch nicht was ich großartiges getan habe und ich denke oft es nicht professionell genug, nicht unserem „Standard“ entsprechend. Aber vielleicht ist es wirklich so wie die Schwestern es einmal zu mir gesagt haben. Wenn man mit den Menschen lebt, die Zeit mit ihnen teilt, ihre Geschichten, ihnen mit Liebe begegnet, dann kann man ihnen schon so viel geben, so viel von dem wonach sie sich so oft sehnen, was sie nur wenig oder gar nicht erfahren haben in ihrem Leben. Ich bin ebenso dankbar dafür, dass mir diese herzlichen jungen Frauen begegnet sind!
Ich bin noch ganz erfüllt von diesen Eindrücken und von dem gestrigen Abend. „A unique celebration of traditional Sri lankan Dance and Drum Rhythmus featuring Susantha, Pasantha & Mohan“, so der Titel einer wunderbaren Tanzshow, den ein paar Schwestern mit Bianca und mir in Colombo verbracht haben, bevor sie mich mit dem Bulli hier in Colombo 6 abgesetzt haben (wir sind etwa eine halbe Stunde durch die Gegend gekurvt, Colombo ist gerade bei Nacht einfach verwirrend. Aber ich habe unterwegs ein witziges Foto von einer schlafenden Schwester gemacht, plus Bianca und unserer Anleiterin Schwester Niluka, ich stelle es Euch rein ).
Ein bunter Mix aus Kandyan Dance, Trommeln und modernen srilankischen Musikelementen gespickt mit prunkvollen Kostümen wartete an diesem Abend auf uns. Ich habe viele Fotos geschossen und anstatt vieler Worte stelle ich Euch lieber einige Bilder ins Netz, ich denke sie sagen mehr als 1000 Erklärungen. Fangt einfach ein paar Eindrücke ein und denkt dabei an mich!

Ich verabschiede mich nun fürs Erste. Ich lasse Euch dann im nächsten Bericht wissen wie das Wochenende in Hikkaduwa gelaufen ist- natürlich mit tollen Fotos gratis!

Love and Peace
Nina

2 comments:

Mama said...

Hallo Nina,
klingt ja toll was du erlebt hast.
Es muss ein tiefes Gefühl gewesen sein, als die Mädchen dir ihre GEfühle zeigten....
Die Schwestern haben recht - für mich in meinem langen Sozialarbeiterdasein - jetzt bin ich 52 - mit 17 begann ich das STudium an der KFH in Münster - die schönsten Momente waren die, wenn ich spürte ich war bei den Menschen und habe ihnen zeigen können, dass ich bei ihnen bin und sie verstehe - ich finde das ist durchaus nicht unprofessionell.
Alles Liebe aus Brilon und viele Grüße auch von Papa
Deine Ma

Anonymous said...

Hallöchen Nina!
Wouw, durch die Fotos bekommt man ja ersteinmal das richtige srilankanische feeling... :-)
Nina, ich hoffe sehr das sie dir nicht vollständig gelingt, die "gefühlsmößige Trennung vom Klientel"! Genau das macht doch den Unterschied aus und das spüren auch die Mädchen. Ich hoffe du hast weiterhin auch viele gute Zeiten. Ich bleibe gespannt dabei!
Mit vielen Grüßen, sei ganz lieb umarmt, Evelyn