Saturday, October 21, 2006

Das Hochland - Welcome to Sri Lankas Paradise!

Neue Information - 27. Oktober 2006
Nina hat uns viele Dateien gesandt - sie war im Internetcafé - dort konnte sie die Texte und Bilder wegen des Zeitaufwandes nicht selbst in den Blog stellen. Wirn haben jetzt alle Texte vom Hochlandbericht eingestellt. Leiider klappt es mit dem Hochladen der Bilder zurzeit nicht. Grüße Elisabth und Simon .

Das Hochland - Welcome to Sri Lankas Paradise!

1. Tag: Das grüne Paradies

Mittendrin, endlich! Grüne, satte Farben leuchten frisch überall um uns herum. Bianca und ich sind jetzt im Hochland. In einer Woche werden wir die Arbeit unseres Good Shepherd Ordens in Nuwara Eliya kennen lernen und die Natur rund um die Gartenstadt erleben, die gerade im April auf Grund ihrer Blumenvielfalt von Touristen und Einheimischen aus ganz Sri Lanka in Massen besucht wird. Wir haben also eine ruhige, entspannte Jahreszeit erwischt, die zwar von Wolken und Regen geprägt ist, aber so eine erholsame Abkühlung von der Hitze in Wattala bietet.
Um 14.00 Uhr sind wir am heutigen 10. Oktober mit dem Van der Schwestern aus Nuwara Eliya unter Begleitung der leitenden Schwester John in Nayakakanda abgefahren. Schon nach einer Stunde veränderte sich die Umgebung signifikant. Die Häuserreihen voller kleiner Shops und Geschäfte, die die Straßen normalerweise säumen, wurden kürzer, immer satteres Grün in verschiedenen Facetten lag um uns herum, die Straßen wurden kurviger und aufsteigend.
Nach zwei Stunden Fahrt waren wir dann völlig überwältigt. Unendliches Bergland, das uns komplett verschlang, tief unten im Tal ein klarer Fluss, die hohen Berge von Nebel verhangen, das war ein Bild, sage ich euch.
Als wieder etwas Zeit verstrichen war, formte sich die Wildnis in kunstvoll angelegte Tea Estates. Wir hatten das Gefühl, stundenlang durch einen unendlich großen Garten zu fahren. Schon zu dem Zeitpunkt träumte ich von einem Spaziergang durch die Teahills, um mich dem grünen Vollrausch hinzugeben (ihr kennt ja meine Leidenschaft).
Sri Lanka ist überwältigend abwechslungsreich, ich kann es echt kaum beschreiben. Wenn meine liebe Lara hoffentlich kommt, werde ich sie nach N.E. entführen...
Am Folgetag werden wir zu einem Estate fahren und uns die Arbeit auf den Teefeldern ansehen. So schön die Felder auch angelegt sind, die Arbeiter, meist Frauen, haben es oft nicht leicht. Ich hoffe die Schwestern werden uns etwas über deren Probleme erzählen und wir werden mit Arbeiterinnen in Kontakt kommen können.
Wir kamen nach sechs Stunden Fahrt hier am Konvent an. Die Anreise war jedoch so facettenreich, dass sie uns überhaupt nicht lang erschien. Beim Ausstieg aus dem Van schlug uns angenehme uns umströmende Kühle entgegen. Ich habe hier auf Sri Lanka zum ersten Mal frische klare Luft einatmen können - Wow, was für ein Feeling! Doch die Nächte hier im Hochland sind verdammt kalt. Ich liege gerade unter drei Decken und schreibe meine Impressionen des heutigen Tages nieder. Mir ist immer noch kalt!
Der Konvent der Schwestern ist traumhaft gelegen. Das Haupthaus ist recht antik und erinnert von innen an ein altes filigran eingerichtetes Bauernhaus.
Ansonsten bin ich sehr gespannt auf die Projekte der Schwestern, über die wir in den nächsten Tagen hoffentlich viel erfahren und natürlich live und direkt an ihnen teil haben werden!

Bis morgen sage ich dann „Ayubowan“.
Love and Pace
Nina

2. Tag
Sri Lankas finest taste - eine kleine Teekunde und die Arbeitsbedingungen der Teepflücker

Angekommen in Sri Lankas berühmter Teeregion Nuwara Eliya, stand am zweiten Tag des einwöchigen Aufenthalts im Good Shepherd Konvent eine Erkundungsfahrt durch sämtliche Estates, in Begleitung von Sister John, auf dem Programm. Die Hills erstrecken sich in der Region weit um Nuwara Eliya wie ein dichter Teppich. Unser Weg führte uns durch charakteristisch mit Nebel verhangenen Täler, umsäumt von Teefeldern, die stellenweise in strahlendem grün glänzten, wenn die Sonne vereinzelt durch das dichte Wolkenzelt brach. Obwohl das Landschaftsbild im Grunde nur durch Teeberge gekennzeichnet ist, haben diese Teegärten etwas anziehendes und faszinierendes an sich. Nach vielen Stopps, um in diversen Fotos die charismatische Aussicht einzufangen, war das Labookellie Teaestate unser Ziel, das 2000 Meter hoch über dem Meeresspiegel liegt. Inmitten weiter Teefelder befindet sich die Teefabrik des 1841 von Schiffskapitän William Mackwood gegründeten Unternehmens. Eine Führung durch die Teefabrik konnte beginnen! In insgesamt 17 verschiedenen Estates baut das Unternehmen seit 165 Jahren Schwarztee an.
Von einem Teegewächs kann fünfmal im Monat geerntet werden und eine Pflanze kann bis zu 45 Jahre lang genutzt werden. Werden neue Pflanzen angebaut, so müssen diese drei Jahre bis zur ersten Ernte wachsen, die Pflanzen werden zudem alle fünf Jahre beschnitten. Geerntet werden nur zwei junge helle Blätter mit aufkeimendem Jungtrieb. Ich war mir dessen nicht bewusst und dachte die Blätter des gesamten Strauchs seien zur Produktion geeignet. So wird nur ein minimaler Teil des gesamten Strauchs zur Teeernte verwendet und somit ist klar, dass das Teepflücken eine verdammt mühselige Arbeit ist! „Camila Csininsias“ nennt sich die Teepflanze, deren Blätter je nach Wetter ein anderes Aroma entfalten. In den regnerischen Monaten hat der Tee einen milderen Geschmack, in den sonnigen Monaten ist er sehr kräftig.
Doch was genau passiert mit der Teeernte?

1. Whithering
Nach dem Pflücken, werden Teeblätter in den Morgen- und Abendstunden auf langen von Luft unterfluteten Trockenbändern behandelt. In dieser ersten Trocknung werden bis zu 2000 kg 12 bis 15 Stunden getrocknet. Alle zwei Stunden werden die Blätter von Hand durchgemengt. Letztlich wird den Blättern 50% Flüssigkeit entzogen, so dass von 2000 kg nur 1000 kg Ware verbleiben.

2. Rolling
In einer großen runden, sich im Kreis bewegenden Presse, werden nun jeweils 250 kg Blätter zerkleinert und gepresst, dabei verlieren die Blätter erneut Flüssigkeit. An dieser Stelle entfaltet sich das charakteristische Teearoma und überall verbreitet sich dabei ein satter kräftiger Teeduft. Die Größe der Blätter beeinflusst den Geschmack des Tees. Große Blätter sind mild, kleine sind stark.

3. Fermtenting
Nun werden die Blätter für etwa drei Stunden auf ein Band gegeben, wo der natürliche Bräunungsprozess einsetzt. Hier verlieren die Blätter komplett ihre grüne Farbe und gewinnen die charakteristische uns bekannte braune Färbung.

4. Drying
Bei 120 Grad Celsius heißer Luft werden die Blätter 20 Minuten abschließend getrocknet.

5. Grading
Wie bereits erwähnt, kann die Größe der Blätter variieren. In diesem Prozess nimmt eine Maschine die Sortierung vor, so gelangen die Blätter jeweils in seperate Behälter für „small“, „medium“, and „big“.

6. Tasting and Packing
Von Spezialisten durch Geschmacksproben auf seine Qualität geprüft, wird der Tee nach der Kontrolle in Großverpackungen transportfertig gemacht. Händler kommen regelmäßig in die Fabrik, es gilt um den Teepreis zu feilschen. Das beste Angebot macht natürlich das Rennen. Ein direkter Export des Tees findet bei Labookellie nicht statt, der Verkauf geschieht über Mittelsmänner.
In dieser 24-stündigen Verarbeitung wird letztlich aus fünf kg Teeblättern ein kg Tee gewonnen!
Der Mackwood Tee wird in viele Länder der Welt exportiert, je nach Region ist eine andere Sorte gefragt:
BOP (Broken Orange Pekoe) und BOPF (Broken Orange Pekoe Fannings) haben ein mittelstarkes Aroma und sind im europäischen Raum sehr beliebt. Besonders in England wird BOP als Frühstückstee und BOPF zur typischen Teatime am Nachmittag genossen.
BOP ist sehr mild im Geschmack und wird bevorzugt im Nahen Osten und in Russland gehandelt.
Dust nennt sich das günstigste Teeprodukt. Er wird in Sri Lanka selbst getrunken und ist sehr stark im Geschmack.
„Mackwoods 160th Anniversary Blend“, der Premiumtee des Unternehmens, in silberner Teebox, verpackt in einer edlen Schachtel aus Mahagoniholz, kostet pro 40 Gramm rund 40 Doller!
Ich hoffe, ich habe euch mit meiner imaginären Führung nicht gelangweilt, aber wer weiß schon all diese erstaunlichen Kleinigkeiten? Ich jedenfalls finde es interessant zu wissen, welchen Weg der Tee geht, bis er trinkfertig in unseren Tassen duftet.
Genau das war dann auch der Abschluss der Führung im Estate, eine gute Tasse Mackwood im Teehaus mit einer fabelhaften Aussicht auf die grünen Teeberge. Zu guter Letzt lud uns Sister John zur Wahl eines Tees unseres Geschmacks ein, um diese Erinnerung im heimischen Deutschland durch einen „quality cup“ wieder aufleben lassen zu können.

Doch jede Geschichte hat zwei Seiten…
Ich möchte euch an dieser Stelle die kritische Seite des Teegeschäfts aufzeigen und auch das Leben der Teearbeiter darstellen. Als ich mich mit den Schwestern über die Problemstrukturen unterhalten habe, denen diese Menschen oft ausgesetzt sind, geriet ich emotional in die Enge, der Tee hatte wahrlich einen bitteren Beigeschmack!
Bis wir in weiten Teilen der Welt unseren Tee genießen können, haben die Teepflücker, meist sind es tamilische Frauen, körperliche Schwerstarbeit zu ungerechten Lohnverhältnissen geleistet. Frauen werden bevorzugt, da sie billigere Arbeitskräfte sind, männliche Teepflücker erhalten signifikant mehr Lohn. Tamilische Arbeiter sind in den Estates charakteristisch, dies geht auf die Zeit der Kolonialisierung zurück. Die Engländer haben die Tamilen als billige Plantagenarbeiter aus Indien angestellt.
Eine Pflückerin ist verpflichtet 18 bis 20 kg Tee am Tag zu ernten. Oft sind die Frauen acht und mehr Stunden in mehreren hundert Metern Höhe unterwegs, den immer schwerer werden Teesack um den Kopf geschnürt. Oft müssen sie zur Leerung und zum Teewiegen mehrere Gänge auf sich nehmen. Bianca und ich sind eine kleine Strecke die Teefelder hochgeklettert, es ist eine körperliche Höchstanstrengung, bis in die hohen Gebiete vorzudringen. Für einen kg gepflückten Tee erhält die Pflückerin 15 Rupies, das sind weniger als 15 Eurocent! Wenn die Teepflücker sonntags arbeiten erhalten sie den doppelten Lohn. Als ich diese Lohnverhältnisse erfahren habe, stieß es mir schon verdammt bitter auf.
Da die Teepflanzen nach der Ernte nachwachsen müssen, können die Arbeiter nur 15 Mal pro Monat pflücken, ihren Verdienst können sie meist nicht allein von der Arbeit im Teegewerbe bestreiten. Sister John berichtete uns, dass die Bedingungen der Arbeiterfamilien in den letzten Jahren deutlich humaner gestaltet wurden. Manchmal stellen Teefirmen den Arbeitern kleine Areale zur Verfügung, auf denen sie landwirtschaftliche Güter anbauen können, um durch deren Verkauf einen kleinen Nebenerwerb zu erzielen. Dies ist natürlich trotzdem nicht ausreichend, um eine Familie durchzubringen. So arbeiten sie oft zusätzlich auf den landwirtschaftlichen Feldern von Agrarfirmen, die in Nuwara Eliya ihre Güter anbauen und in ganz Sri Lanka vertreiben. Ihr könnt euch vorstellen, dass diese Frauen ein verdammt hartes Leben zu bestreiten haben, wenn sie sich zu Hause noch zusätzlich um die Familie kümmern müssen. So ist der Alkoholgenuss hier schon kein gesondert wahrzunehmendes Problem mehr, sondern ein fester Bestandteil des täglichen Arbeitsganges. Dazu kauen sie Bethelblätter, sie verleihen der Mundpartie eine blutrote Färbung und zerstören die Zähne, jedoch wirken sie wie eine Droge, sie machen etwas high und vertreiben den Hunger, was will man schon tun, wenn man oben auf dem Teehügel stundenlang wie verrückt immer wieder kleine Teeknospen pflückt und zum Essen nicht mal eben runterhüpfen kann!

In den Teaestates erschließt sich einem ein sehr typisches Bild der Wohnverhältnisse. Inmitten der Felder stehen einfache, mit Wellblechdächern bestückte Häuser. Manchmal sind sie aus Stein, oft besteht aber das gesamte Haus aus Wellblech und die Assoziation mit einem Slum kommt auf. Oft erstrecken sich lange kastenförmige Gebäude, sogenannte „Lines“ in der Nähe der Teefabriken. Diese sind von den Teekonzernen gestellte Arbeiterappartements, in denen die Pflücker auf engem Raum leben. In einigen Estates sind sie verbessert worden, doch immer noch säumen in manchen Gegenden heruntergekommene Buden die Teehügel. Ein Teaestate ist somit auch die Heimat von oft mehr als 500 Arbeiterfamilien und erscheint wie ein kleines Dorf, mit eigenen medizinischen Einrichtungen, Tempeln, kleinen Shops, eben Grundversorgungsmöglichkeiten. Für die Versorgung der kleinen Kinder bestehen Tagesstätten im Estate und es gibt auch ein Schulsystem, das jedoch nicht sehr fortgeschritten ist. So gliedern sich die Abgänger meist in die Pflückertradition ihrer Familie ein und heiraten auch im Estate. Manche Familien leben über Generationen dort.

Wer eine bessere Bildungschance für seine Kinder erreichen möchte und ihre Zukunft, muss eine oft nicht zu bewältigende finanzielle Last durch Schulgeld und weite, somit teure Anfahrten zu entlegenen Schulen organisieren. Da dies oft nicht möglich ist, bleibt den jungen Generationen dieser Familien oft kein anderer Weg, als in das Gewerbe einzusteigen. An dieser Stelle eröffnen meist kirchliche Einrichtungen, wie die der Good Shepherd Sisters in Nuwara Eliya, andere Zukunftsperspektiven. In Hostels können die Kinder der Teapflücker gegen eine geringe finanzielle Aufwendung wohnen und zugleich die auf dem Gelände des Konvents gelegene Schule besuchen. Hier ist ein Abschluss bis zum A-Level möglich, womit der Weg zu einem Studium offen steht, wenn der Abschluss dem entsprechend gut ist. So fällt die teure Anreise aus den Estates weg und auch in finanzieller Hinsicht wird den Kindern eine gute Bildung ermöglicht. Oft organisieren die Schwestern Patenschaften mit ausländischen Bürgern und Institutionen, um die Versorgung und Schulausbildung unter anderem solcher Estatekinder zu unterstützen.
Die Schwester hat uns jedoch auch von einer schönen Geschichte berichtet, die sie von einem der Kinder erfahren hat: Manchmal ist es so, dass die Frauen sich netzwerkartig unterstützen. Sie wechseln sich zum Beispiel mit der Kinderbetreuung ab, wenn diese unter anderem zum Kindergarten oder zur Schule gebracht werden müssen. Dann pflücken die anderen Frauen für die Betreuerin mit, damit diese keinen Lohnausfall hat.
Um die Arbeiter gleich Generationenweise an das Estate zu binden, haben viele Teefirmen in Zusammenarbeit mit einem Unternehmen namens „Trust“ einen Hausbauplan entwickelt. Die Firmen stellen den Arbeitern Land zur Verfügung, auf das sie eigens durch Trustkredite finanzierte Häuser bauen können, wie obig beschrieben. Somit gehört das komplette Haus letztlich der Teefirma, die die Arbeiter im Grunde von ihrem Lohn einen ausbeuterischen Hausbau bezahlen lässt, denn wer gibt sein hart erarbeitetes Heim auf? Im Einvernehmen mit dem Arbeiter, fließt ein Teil des Monatslohns bis zur Abzahlung in den Kredit. Manchmal leben Familien im Estate ohne darin zu arbeiten, da sie das Haus, von früheren Pflückergenerationen erbaut, dort nicht aufgeben möchten.
Wie zu bemerken ist, ist das Teegewerbe komplex und es hat signifikant erschreckende, kompliziert vernetzte Seiten, die ich bestimmt noch nicht alle erfassen konnte. Eines steht fest: Diese Teapflücker sind die Schlüsselfiguren für einen der größten Wirtschaftszweige Sri Lankas, doch erhalten sie keinerlei Wertschätzung, im Gegenteil, auch wenn ihnen gesellschaftlicher Status selbst nichts bedeutet, so unterstehen sie jedoch einem Labelling als einer der unterschichtigsten Gruppierungen.
Was können wir nun an dieser Stelle tun, um nach unseren Möglichkeiten Zeichen im humanitären Sinne zu setzen? Ich denke den Teekauf zu meiden ist nicht die richtige Lösung, doch darauf zu achten welchen Tee wir kaufen ist sicherlich der richtige Weg.

In vielen Eine-Welt-Läden unterstützen Fairprodukte gerechte und menschliche Arbeitsbedingungen für die Teepflücker und ihre Familien. Warum also nicht den Gang zum Lidl und Co. meiden und sich beim Teekauf für Menschlichkeit entscheiden?!
Die Zeit ist mal wieder weit voran geschritten, es ist 1am und ich muss meine Augen endlich zu machen, denn morgen lerne ich die 40 Ladies aus dem Waisenhaus kennen, da will ich ja fit sein…

Love and Peace
Nina



Teepfückerin bei der schweren Arbeit:







Die Teepflückerplantage an der Estate




Die Teehills







Die Labookelliefactory und mit Sister John im Mackwoodteahouse





















































3. Tag: The Tea Factory


Hier in Nuwara Eliya steht eben alles unter dem Zeichen des Tees. Schwester Esther entführte uns am dritten Tag zu einem ganz besonderen Platz, den sie ausländischen Gästen oft zeigt. Wir haben eine Führung durch ein Hotel erhalten, dass einst eine Teefabrik war. Von außen war es wirklich nicht ansehnlich, silberne Wellbleche reihten sich aneinander und bildeten eine kahle und langweilige Fassade. Kaum durch die Eingangstür gedrungen, veränderte sich unser aller Gesichtsausdruck. Dunkles Holz mit Messingornamenten im Boden, ein alter Lastenaufzug, kunstvoll zum Personenfahrstuhl aufgearbeitet und überall alte Fabrikelemente in die Ausstattung integriert, eine wirklich interessante Idee. Im hiesigen Speisesaal waren die Servierflächen mit den Frontseiten alter Teekästen gesäumt und ein altes Zugabteil war zu einem kleinen Restaurant umfunktioniert, das war wirklich Liebe zum Detail. Dieser Kontrast vom Außen- und Inneneindruck muss es sein, der gerade in der Hochsaison im April das tuere Hotel, das momentan nur fünf Zimmerbuchungen hat, ausgebucht sein lässt. In einer kleinen Teefabrik, die eigentlich mehr der Demonstration der Teeproduktion für Touristen dient, produziert das kleine Estate heute immer noch kleine Mengen für den Hotelbetrieb. Normalerweise lassen die Manager solche Besichtigungen nicht zu, doch die Schwestern haben einfach die richtigen Connections, mit ihnen haben wir schon oft Dinge erleben dürfen, die normale Touristen so nicht erfahren.
Am Nachmittag haben wir dann endlich die Ladies im Waisenhaus und im Hostel kennen gelernt. Bianca war bei den Mädchen im Hostel und ich bin zu dem Waisenhaus gegangen, in den nächsten Tagen möchten wir die Arbeitsbereiche dann mal tauschen. Alle Einrichtungen der Schwestern sind auch hier im Hochland auf einem Areal. Neben diesen beiden Institutionen leiten sie einen Montessori- und einen normalen Kindergarten, eine Grundschule, eine weiterführende Schule, führen ein Hausbauprojekt (davon berichte ich später) und haben eine Frauengruppe ins Leben gerufen, die eigenverantwortlich kleine Gewerbe zur beruflichen Gestaltung der Frauen aufgebaut hat. Wie ihr lest, auch in Nuwara Eliya sind die Schwestern mit jeder Menge Projekten vertreten. Schade finde ich es nur, dass sie nicht direkt mit den Teearbeitern im Estate arbeiten, solche Projekte würden mich am meisten interessieren. Hier haben die acht Schwestern innerhalb ihrer Gemeinschaft eine wahre Rarität- Sister Marian, die letzte irische Good Shepherd Sister auf Sri Lanka, ein Überbleibsel der Good Shepherd Gründung von Seiten irischer Sisters. Sie ist mit satten 92 Jahren noch fit wie ein Turnschuh- unglaublich diese Frau!
Na ja, zurück zu den Mädels. Wir sind locker angefangen, haben einen netten Talk gehalten- die Mädchen können sogar in jungem Alter oft schon sehr gutes Englisch. Wir haben uns gegenseitig Fragen über uns, unser Land, unsere Kultur und unsere Interessen beantwortet. Zum Abschluss haben wir zusammen gesungen. Ich habe ihnen meinen Lieblingsgospel „This little light of mine“ beigebracht- in zwei Minuten hatten die Mädels es drauf und es klang verdammt gut. Sie sind ohnehin alle sehr engagiert, ehrgeizig und fleißig und viele sind sehr gut in der Schule, wie die zuständige Schwester mir berichtete. So klang unser erstes Treffen in Gospelchoratmosphäre aus, mit freudigem Singen, Tanzen und Klatschen- das machte Lust auf mehr!

Bye bye
Love and Peace
Nina


















4. Tag : Wasserfälle und Sri Pada

Da in den Morgenstunden für die Mädels hier die Schule ansteht, nahmen uns zwei Schwestern mit auf die nächste Tour durch grüne Estates, um uns ein paar Sehenswürdigkeiten der Region zu zeigen. Der Trip dauerte im Endeffekt den ganzen Tag. „Don’t worry, to get in touch with the things to see here belongs to your experiences, too. If you don’t step into the natureside here, you will miss something“, nahmen sie uns das schlechte Gewissen, da wir ja auch mit den Mädchen hier arbeiten wollten und es eigentlich so für den Nachmittag geplant war. Doch eine Woche ist eben einfach zu kurz für ein ausgewogenes Programm, wir kommen also noch mal wieder!
Mit einem Lunchpaket bewaffnet, ging es in kurvigem Tempo immer weiter weg von Nuwara Eliya in Richtung Talawakelle, der nächsten „Stadt“ (wer sich eine Landkarte vom Hochland Sri Lankas aus dem Netz beschafft, kann unseren Tripp darauf verfolgen!) Diese „Stadt“, wir würden eher ein „Ein-Paar-Hundert-Seelen-Dorf“ sagen, hat einen für das Hochland typischen Charakter. Sie erschien plötzlich vor uns, völlig unerwartet, wie eine kleine Oase in einer Wüste. Stundenlang nur grün und plötzlich fuhren wir in eine schmale Straße, die von beiden Seiten mit bunter Reklame und wild aneinander gereihten Shops im Budenstil gesäumt war. 3-Wheeleer, das Personentransportmittel Sri Lankas schlechthin, neben Bussen und Zügen, fuhren durch die staubigen Gassen bzw. parkten fein säuberlich in langen Reihen am Straßenrand. Kaum ließen wir das Städtchen hinter uns, plötzlich wieder mitten im Meer von Teehügeln, die Stellenweise, wie bereits beschrieben, kleine Pluckervillages in sich verschlungen.
Bald erreichten wir die ersten beiden offizielleren Sehenswürdigkeiten (ich finde ja das ganze Hochland ist paradiesisch), die St. Clair und Devon Falls. Diese beiden Wasserfälle liegen nah beieinander und wir schossen natürlich ein paar Fotos. Leider bestand keine Möglichkeit eine kleine Wanderung zu den Wasserfällen zu unternehmen. Tief inmitten der Teehills gelegen, sind sie wahrscheinlich nur für geübte und Blutegel immune Wanderer zu erreichen.
Nach der tollen Aussicht auf die Wasserfälle aus einiger Entfernung, passierten wir nach Kotagale etwas später eine der größeren Städte des Hochlands namens Hatton. Ich denke der Name ist noch ein Überbleibsel des englischen Einflusses auf Sri Lanka. Auf dem Weg nach Norwood, was von einem riesigen gleichnamigen Teeestate geprägt ist bzw. ganz Norwood scheint ein Estate zu sein, stießen wir in Dickoya auf eine kleine wunderschöne Kapelle. „Welcome to good old England“, kann ich da nur sagen. Also ein englischeres Relikt aus kolonialem Einfluss habe ich in Sri Lanka bisher noch nicht entdeckt. Aus grobem Stein erbaut erweckte sie in uns die Assoziation eines gepflegten altenglischen Herrenhauses. Die 1878 erbaute „Christ Church Warleigh“ war von einem kleinen Friedhof umgeben und gab neben einem in blutroten Blühten stehenden Baum ein idyllisches Bild ab. Kunstvoll und mit Liebe zum Detail war das Innere erbaut worden, Mosaikbilder in den Boden eingelassen, alte hölzerne Kirchenbänke und eine kleine Empore luden zum stillen verweilen ein. In der Kapelle werden auch heute noch Messen abgehalten und das Gelände wird von einem Wächter vor ungestümen Touristen bewahrt. Dann staunten wir nicht schlecht, als er die Bibel aufschlug. „Printed at the university press Cambridge, 1879“. So ein antikes Stück würden wir in Deutschland nicht mit den Händen berühren dürfen, doch hier durften wir die Schrift in aller Ruhe bestaunen, darin blättern und ihren altwürdigen Charakter genießen. Selbst die Schwestern waren noch nie zuvor in dieser Kapelle und wir tauschten uns auf der Weiterfahrt in Richtung Norwood und Maskeliya intensiv über das Gesehene aus.
Dann sahen wir unterwegs plötzlich ein Schild „Adams Peak, 26 km“, Wahnsinn, es sollte also zum Sri Pada gehen, Sri Lankas berühmtesten Berg! Damit hatten wir beide nicht gerechnet, die Schwestern sind eben oft für Überraschungen gut. Nach einer mühselig kurvigen Fahrt erreichten wir das Maussakelle Reservoir, indem sich der heilige Berg befindet. Schon von Weitem konnten wir einen jedoch nur nebelverhangenen Berg erkennen. Doch wir arbeiteten uns immer weiter vor, bis wir wirklich eine fabelhafte Sicht auf den Sri Pada hatten. Die Sonne schien, die Wolken hatten sich verzogen und wir konnten den hoch auf der Spitze des Bergs gelegenen buddhistischen Tempel schemenhaft erkennen, einfach herrlich etwas live und direkt zu sehen, was man zuvor allenfalls auf einem Profifoto in einem Bildband vor die Augen bekam. Das war also unser Ziel und von dort ging es in gemütlichem Tempo mit einigen Teepausen zurück zum Konvent, wo wir schon um 20.30 Uhr totmüde und erfüllt von den neuen Einrücken ins Bett fielen.

Love and Peace
Nina













5. Tag : Mitten im Münsterland

Man sollte es kaum glauben, doch auch im tropischen Sri Lanka kann man sich an einigen Stellen wie im heimischen Münsterland fühlen. Überraschender Weise entführten uns die Schwestern am Samstag erneut auf eine kleine Tour, um uns den landwirtschaftlichen Sektor von Nuwara Eliya zu zeigen. Kühe auf der Wiese, das was bei uns das tägliche Bild darstellt, ist hier eine Attraktion. Die New Zealand Farm (warum sie auch immer so heißen möge?) in Abanwela, ist extra für Führungen ausgelegt und sieht haargenau so aus wie ein typischer Bauernhof unserer Region. Die jungen und alten Menschen zu beobachten, wie sie auf die Tiere und die Atmosphäre reagierten, war für uns das eigentliche Highlight: Überall Taschentücher vor den Nasen, Menschenmassen in meterweitem Abstand zu den Ställen, coole Boys fürs Foto posend vor den gefleckten 200-Kilo-Bullen mit fettem Ring durch die Nase. Wir wurden da schon seltsam beäugt, als wir die Ziegen streichelten und uns den Kuhställen bis zum Gitter näherten.Was für uns „Naturduft pur“ ist, ist hier für viele Einheimische einfach nur „gandhai“ = „Gestank“. Das Wörtchen steht bei Bianca und mir eher für die vollgesmogten Straßen, in denen man sogar im kleinen Wattala bei brennender Hitze das Gefühl hat, jede Sekunde zu ersticken. Viele Menschen kommen gerade aus den Stadtgebieten zu den Farmen, um sie zu besichtigen und im Geschenkshop Käse und Milchprodukte zu kaufen. Für uns war es einfach interessant zu sehen, wie verkehrt die Welt doch manchmal sein kann.
In den Nachmittagsstunden war dann endlich mal wieder ein Besuch bei unseren Mädchen angesagt. Wir haben einen Spielabend gemacht und uns richtig schön ausgepowert und jede Menge gelacht, bis einigen sogar der Bauch weh tat. So konnten alle an diesem Abend ausgepowert und glücklich ins Bettchen fallen.

In diesem Sinne sage ich mal wieder „Love and Peace”
Nina








6. Tag: Habitat for Humanity Sri Lanka: Durch Gemeinschaft zu einem neuen Leben

Die Woche in Nuwara Eliya neigt sich dem Ende zu, doch heut wurde es noch mal so richtig interessant. Wir gewannen einen Einblick in ein Hausbauprojekt der christlichen, gemeinnützigen Organisation „Habitat for Humanity“ (HFH), deren Arbeit von den Schwestern weitreichend unterstützt wird. Doch nicht nur in diesem Gebiet sind die Schwestern in Hausbauprojekten aktiv, auch in den Tsunamigebieten sind sie mit solcherlei Hilfestellung präsent.
Wir erfuhren einen sehr praktischen Einblick in das Projekt und haben uns mit dem Projektkoordinator Chanaka Thilakarama auf den Weg in die entlegenen Gegenden Nuwara Eliyas gemacht und einige Familien in ihren neuen Häusern besucht, haben uns mit ihnen ausgetauscht und ihre Geschichten gehört.
HFH wurde 1976 von Linda und Millard Fuller in den USA gegründet. „A world where everyone has a decent place to live“ auf dieser Vision und der direkten Orientierung an der vorgelebten Lehre Jesu basierend, richtet HFH seine Arbeit aus. So steht nicht Profit, sondern die Unterstützung von Menschen im Vordergrund, die in unzureichenden Wohnsituationen leben, um mit ihnen gemeinsam ein neues Heim zu errichten oder zu renovieren.
Der Schlüssel für jedes Bauprojekt liegt im „Safe and build concept“. Menschen in verarmten Wohnsituationen sollen dazu befähigt werden sich ihrer Ressourcen, Fähigkeiten und Talente neu bewusst zu werden und diese effektiv füreinander einzusetzen, um ihre Lebenssituationen durch eigenverantwortlichen, mitmenschlichen Einsatz zu verbessern. Sie schließen sich in Bedarfsgemeinschaften von zwölf, zehn, acht oder sechs Familien zusammen, um sich über einen längeren Zeitraum untereinander beim Bau ihrer Häuser sowohl finanziell als auch praktisch zu unterstützen. Auch wird eine Führungsperson und ein Vertreter für jede Gruppe gewählt, der die Hauptorganisation übernimmt. Die Familien in der größten Notlage erhalten ihr Haus zuerst. Dabei beteiligen sich die Familien an der finanziellen Ausrichtung der Hausbauten durch monatliche festgelegte Ersparnisse, die bei Erreichung einer bestimmten Summe von Habitatgeldern angereichert wird (In Sri Lanka: 12 Mitglieder = je 500 Rupies, 10 = 600 R., 8= 750 R., 6= 1.000 R.). Die Familien sammeln dabei solange füreinander, bis jedes Mitglied ein neues Haus erhalten hat. Ein Habitat Haus in Nuwara Eliya kostet rund 1.500 Euro und hat vier Räume. Nach sechs Monaten kann eine Familie einer Baugemeinschaft den Bau von 2 Räumen tätigen. Nach der Rückzahlung an Habitat, entsprechend der Einzahlung, finanziert die Organisation nach weiteren sechs Monaten die letzten zwei Räume komplett. Durch diese Art von „Kreditsystem“, werden die Rückzahlungen klein gehalten, so bleibt die Hausfinanzierung für die Familien möglich. Beim Bau soll möglichst darauf geachtet werden bereits vorhandene Ressourcen von Baumaterial, z.B. vom alten Haus, mitzunutzen. Mit Hilfe einer Fachkraft werden die Bauprojekte durch den Einsatz der Gruppenmitglieder selbst bestritten. Monatliche Gruppenmeetings untermauern den Gruppenprozess durch Gesprächsthemen wie Frauenrechte, Genderfragen, Lebens- uns Zukunftsplanung, um die einzelnen Mitglieder zu stärken.
Die christliche Organisation sucht stets die Verbindung mit Freiwilligen Helfern (Global village teams), Sponsoren und Organisationen wie NGO’s, um die Projekte finanziell oder durch direkte Hilfestellungen auf der Baustelle zu untermauern.
„Building homes, building hopes, building lives“. In Sri Lanka besteht die Präsenz von HFH seit 1994. Ein Komitee, bestehend aus einer Auswahl von Freiwilligen aus verschiedenen Arbeits-, Lebens- und Wirtschaftbereichen, leitet die Organisation von 15 Distrikten in denen HFH aktiv ist und die Vision hat bis zum Jahr 2009 über 200.000 Häuser zu errichten. In der Region Nuwara Eliya befinden sich 70% der Häuser unter minimalem Wohnniveau. Hier hat sich HFH speziell mit kirchlichen Organisation verknüpft, wie dem Good Shepherd Konvent, um in einem gemeinsam angelegten Projekt, dem „Housing through Church relations“ im Zeitraum von Juli 2005 bis Juni 2008 540 Häuser zu errichten. Die Good Shepherd Sisters sind im „Fund Rasing Commitee“, sie stehen in Nuwara Eliya in einer Leitungsposition des Projekts. Bisher wurden dort 126 Häuser erbaut, davon 79 ohne die direkte Unterstützung von HFH-International.
Die Zielsetzung der Organisation liegt in der Minimierung minderwertiger Wohnsituationen weltweit. In über 100 Ländern aktiv schafft HFH seit dem Jahr 2005 eine neue Wohn- und Lebenssituation für über eine Millionen Menschen.

Bis dahin
Love and Peace
Nina









7. Tag : 100% Frauenpower

„In order to be awaken the people, it is the woman who has to be awakened. Once she is on the move, the houshold moves, the village moves, the country moves, and then we build the country of tomorrow”
Nero

Am letzten Tag in Nuwara Eliya erschloss sich mir zum ersten Mal seit meinem gesamten Aufenthalt in Sri Lanka ein Bild, das ich schon lange herbei sehnte: Frauen, die ihren Standpunkt klar und deutlich nach außen tragen, die erkennen, dass sie ihre Rechte haben und darauf bestehen, die genau wissen, dass ihnen Respekt gebührt für alles, was sie im Leben leisten. Wir kamen mit der von Schwester John gegründeten Frauengruppe Diriya Kantha Hamuwa zusammen und erfuhren in einem interessanten Austausch einiges über „the empowernment of women“ in Nuwara Eliya.
Nach einer Eucharistiefeier in der Kirchengemeinde am 18. März 1999 wurden die Stimmen vieler Frauen laut, die das Bedürfnis nach gegenseitigem Austausch in einer speziellen Form verkündeten. Sie verspürten den Wunsch aktiv in einer Gemeinschaft für ihre Rechte und Interessen einzutreten sowie sich gegenseitig in ihrer Rolle als Frauen zu stärken. Der Grundstein für eine effektive und starke Frauenarbeit auf christlicher Basis war gelegt.
In einem nächsten Schritt galt es gemeinsam herauszufinden welche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ideen die Frauen mitbrachten, um sich effektiv und zielorientiert zu organisieren. Einige suchten nach ihrem Wert, wieder andere waren auf der Suche nach neuen Anregungen für ihre Lebensführung, einige wollten sich in Führungspositionen üben, viele suchten sinnvolle Beschäftigungen und auch der Wunsch einfach neue Dinge zu lernen war da.
Zunächst kam man zusammen, um sich gegenseitig auszutauschen, sich anzufreunden sowie Probleme miteinander zu teilen und sich zu bestärken. Bald kristallisierte sich eine gemeinsame Richtung der Interessen heraus. „Was können wir tun, um unsere Zeit fruchtbar zu nutzen und uns sinnvoll zu engagieren?“ Sie wollten ihre Stärken und Fähigkeiten wie landwirtschaftliche Bestellung, Handarbeit und Kochen gezielt beruflich einsetzen und selbstständige kleine Unternehmen aufbauen, um ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Nach einem Jahr hatte die Gruppe 50 Mitglieder und durch die Wahl einer Vorsitzenden, der Formulierung von Leitlinien und einer offiziellen Namensgebung als „Diriya Kantha Hamuwa“ brachte man den Stein ins Rollen. An dieser Stelle kam die Frage der Finanzierung für diverse Projekte auf. Durch Sponsoren und diverse NGO’s unterstützt, entschieden die Frauen die finanzielle Basis in die Gründung landwirtschaftlicher Kultivierung, in ein Handarbeitszentrum und in ein Kiosk auf dem Schulgelände des Good Shepherd Konvents einfließen zu lassen. Mit Mikrokrediten der Schwestern finanzierten die Frauen die weitere Etablierung ihrer Gewerbe. Nach der Sicherung der Unternehmen auf dem Markt und festen ersten Einnahme bezahlten sie die Kredite ab. Um die Fähigkeiten der Frauen in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich zu professionalisieren und sie allgemein zu bestärken, standen und stehen diverse Schulungen, Workshops und Gesprächskreise zu beruflichen, frauenrechtlichen und Genderfragen sowie zu einer effektiven, sinnerfüllten Lebens- und Haushaltsführung auf dem Programm. Aber auch aufklärende Themen bezüglich Sexualität und Drogen sind brisante Inhalte.
Nach dem Motto „Frauen helfen Frauen“ sucht die Frauengruppe auch Kontakt zu Frauen aus den Nachbarschaften und der Umgebung, die jemanden zum Austausch brauchen und in Problemsituationen stehen. So versuchen die Damen den Geist ihrer Organisation im direkten Umfeld zu verbreiten und neue Gleichgesinnte für ihre Mission zu gewinnen.
Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich die Women Group gemeinsam mit Schwester John im Women Centre.
Zum Weltfrauentag organisiert die Gruppe neben einem speziellen Gottesdienst ein Programm mit einem festlichen Essen, Diskussionsrunden, Vorträgen und einer bunten Show. Im Rahmen dessen begannen einige Frauen ihre Handarbeitsprodukte sowie ihre selbst hergestellten Speisen zu verkaufen und diese auch in anderem Rahmen an den Mann zubringen. Auch die landwirtschaftlichen Güter werden regelmäßig zum Verkauf angeboten. So entstanden aus eigenmächtiger Organisation der Frauen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen von großem Wert für das Selbstvertrauen der jungen Mütter.

Und was bringt die Zukunft?
„Wir haben so viele Träume, unsere Ziele sind längst nicht erreicht, aber wir stehen für unsere Interessen ein. Gemeinsam können wir unsere Träume wahr werden lassen“, sagte uns eine motivierte ältere Dame. Einige Zukunftsprojekte konnten bereits Wirklichkeit werden, wie z.B. die Eröffnung eines Beautysalons für Hairdressing und Kosmetik. Die Initiierung einer Kochgruppe, die Eröffnung einer Wäscherei und eine Nachhilfegruppe für hilfsbedürftige Kinder in den Räumlichkeiten des Women Centres sind Visionen der Zukunft.
Wir durften auf dem Gelände der Schwestern die Bekanntschaft mit Kala, Nirmali und Rani machen. Die drei Frauen sind Teil der Handarbeitsgruppe und sind hervorragende Künstlerinnen, was den Umgang mit Nadel und Faden angeht. Sie stellen Patchworkkissen her und ich sage euch, das ist eine Arbeit. Das Resultat war überwältigend. Die Farbkombinationen und die kunstvolle, detailgetreue Verarbeitung war zu bewundern. Uns haben sie einige ihrer Kissen gezeigt und wir waren wirklich schwer beeindruckt. Von Montag bis Freitag kommen sie von 10.00 bis 14.00 Uhr um Handarbeiten in ihrem Handarbeitraum im Konvent zusammen, wenn sie Zeit finden, was manchmal problematisch ist, auf Grund der Arbeit zu Hause. „Wir arbeiten auch viel zu Hause. Insgesamt drei Stunden am Tag, manchmal auch mehr. Um ein Kissen fertig zu stellen benötigen wir drei Wochen“, so die Damen. Schwester John holt die Aufträge für die Frauen ein, unter anderem von anderen Konventen z.B. in Australien, auch besorgt sie das Material.
Die Produkte der Damen werden wir im Rahmen des Sri-Lanka-Projekts meiner Familie zukünftig auch in Warendorf und Beelen verkaufen. Es wird jedoch noch einige Zeit vergehen, bis die Produkte da sind, denn in Anlehnung an unseren Markt, müssen die Kissen erst produziert werden.
Nach dem Austausch mit den Ladies war ich wirklich beeindruckt. Endlich hatte ich Frauen das Aussprechen hören, was ich gerade bei vielen jungen Damen bisher unausgesprochen im Inneren vermutete: „ Ich will etwas für mich im Leben erreichen und ich habe auch das Recht dazu!“ - Wow, ich denke, wenn ich noch mal auf Auslandsmission gehe (vielleicht so kurz vor dem Diplom) dann ist das genau mein Ding: Die Arbeit mit Frauen…

Also ihr Lieben, ich hoffe ihr konntet ein paar interessante Aspekte aus diesem Bericht mitnehmen und an alle Ladies: Everyone of you is a queen - so live it!

Love and Peace
Nina







8. Tag: Der krönende Abschluss in Kandy und Pinnawala

Nach einer Woche „Natur pur“ und dem Kennenlernen vieler neuer Projekte hieß es am vergangenen Dienstag Abschied nehmen von Nuwara Eliya, den Schwestern und natürlich den Mädchen. Am Morgen war das Aufstehen um tödliche 4.30 Uhr angesagt und danach ab unter die Dusche, die wie immer nicht warm werden wollte, der Boiler war eben nicht mehr der Jüngste.
Kurz vor der Abfahrt um Punkt 6.30 Uhr verabschiedeten wir uns von den Mädels im Waisenhaus. Sie legten uns plötzlich selbst gebastelte Geschenke und Freundschaftsbänder in die Hände, lächelnd mit glänzenden Augen. Ich war wirklich berührt von der Art und Weise, wie sie uns verabschiedeten, obwohl sie uns nur eine Woche lang kennen lernen konnten, und das leider noch nicht mal jeden Tag. Ich verabschiedete mich einzeln von jedem Kind.
Gut gelaunt konnte die Rückfahrt beginnen.
Der erste Zwischenstopp wurde in Kandy gemacht. Wir sahen uns den legendären Zahntempel an. Gerade im Inneren war er wunderschön ausgerichtet, doch leider hatte ich das Gefühl, dass dieser Ort zu einer reinen Touristenattraktion mutiert war. Na ja, wir erfuhren von Geschichte des Buddhazahns, der sich im goldenen Schrein in diesem Tempel befinden soll. Ich werde keine großen Erklärungen zu diesem Tempel abgeben, seht euch einfach die Fotos an, die ich gemacht habe und nehmt etwas davon mit.
Hautnah erlebten wir später die Elefanten im Elefantenwaisenhaus in Pinnawala auf dem Weg nach Colmbo. Der Nachwuchs, gerade mal so groß wie ein Fünftklässer, wurde von den Müttern stets gut bewacht. Es war schon ein irres Gefühl, diese Tiere wie auf Samtpfötchen in einem Meter Abstand auf dem großen Freigelände an uns vorbeitrotteten zu spüren, echt ein Hammer!
Auch dazu gibt es ein paar herzergreifende Nahaufnahmen für die Tierfreunde unter Euch.

Ich sage nach etwa zehn Seiten Wochenbericht für etwas längere Zeit auf Wiedersehen, s das nächste spannende Abenteuer auf mich wartet, habt ihr sicherlich genug Lesestoff und jede Menge Bildeindrücke zum Genießen und Mitträumen…

Love and Peace
Nina





1 comment:

Anna said...

Hey die Nina!
Das hört sich alles sooo schön an! Deine Berichte sind zwar immer sau lang, aber man muss einfach weiter lesen ;-)
Übrigens waren wir in der gleichen Teefabrik, die auch auf dem Foto ist. Finde ich n bißchen lustig! Ist alles so vertraut.
Bin froh, dass es dir gut geht? Habt ihr denn was von den Anschlägen mitbekommen? Man hört ja nur immer nebenbei was von Schrie Langa... Sylvie, unsere alte Chefin, schickt uns dann noch ab und zu newsletter, aber man weiß ja nie, wie es wirklich vor Ort aussieht!?!
Schreibe dir die Tage nochmal ne mail, wenn ich mehr Zeit habe!

Bis dahin
Mach et jut! Anna

Achso, und natürlich ein Dankeschön an Mutter und Bruder fürs reinstellen der mails... wenn ich das richtig deute!? Muss ja auch mal gesagt werden ;-)