Saturday, September 16, 2006

Hi Guys,

Und wieder ist es Zeit fuer einen Eintrag in das Tagebuch- es ist Wochenende! In dieser Woche habe ich arbeitstechnisch eigentlich nicht viel Neues erlebt. In den Morgenstunden haben wir Einblicke in den Montessorikindergarten in Wattala erhalten. Wie ich in einem Posting schon erwaehnt habe, ist Disziplin schon in Kindertagen sehr gefragt. So hat sich unser Eindruck diesbezueglich sehr verstaerkt. “ Sit nicely”, “eat nicely”, “keep your legs nicely”, “pray nicely to Jesus”, “keep your bread nicely between your hands”, das waren die Lieblingssaetze meiner Lehrerin. Ich habe fuer mich persoenlich eigentlich nicht viel von der Montessoripaedagogik bemerkt. Die Kinder bekamen eine Vorschrift nach der anderen, wirklich frei arbeiten konnnten sie nicht. Das schaerfste ist jedoch, dass die Kinder in der Woche gerade mal eine halbe Stunde nach draussen duerfen, das muss man sich mal vorstellen! Als ich dann mit zwei Klassen gleichzeitig nach draussen ging, entlud sich die aufgestaute Energie der Kids auf einmal und so hatte ich mit 40 durchdrehenden kleinen Raudis eine Menge zu tun.
In den Abendstunden moechten wir versuchen in den verschiedenen Wohngemeinschaften eine Art kreativen Abend einzufuehren: Mit den Maedchen tanzen, singen, gestalterische Abendausklaenge einrichten usw. Wir haben das in der letzten Woche in einer WG ausprobiert und es hat wirklich gut geklappt. Ich hoffe also, dass wir die Idee weiterentwickeln und etablieren koennen, um den Maedchen einen Ausgleich zu ihren schwierigen Lebenslagen zu geben.
Um nochmal auf meinen letzten Eintrag zurueck zu kommen: Ich denke nicht, dass wir in unserem Land weniger schwerwiegende Probleme haben und es bei uns besser zu geht. Wir haben andere Schwierigkeiten und viele Dinge wissen wir in Deutschland geschickt zu verbergen. Wir gehoeren immerhin zu den westlichen Laendern, auf Grund deren Ueberflusses Menschen auf anderen Erdteilen erst mit solcherlei Problemen konfrontiert werden, die eben mit Armut zu tun haben. Im Moment schockieren mich diese Unterschiede eben einfach, mit denen ich durch die Arbeit mit den Meadchen konfrontiert werde. Emotional ist es gerade fuer mich sehr anstrengend und auch koerperlich bin ich etwas angeschlagen, mein Darm und mein Magen sind durch die Essensumstellung sehr in Mitleidenschaft gezogen. Ich denke das Ganze legt sich natuerlich wieder, aber diese Phase kommt eben zwangslaeufig, wenn man sich in ein solches Abentuer begibt.
Morgen gehen wir endlich zum Strand- um mal auf ein schoenes Thema zu sprechen zu kommen. Ich hoffe ich kann dann etwas ausspannen und mit mehr Energie in meine naechste Woche starten.
@ Anna: Sag mal, habt ihr waehrend Eures Praxissemesters eigentlich eigene Pojekte gestartet oder habt ih einfach die Arbeit eurer Institution uebernommen? Da halt auch Barrieren wie die Sprache bestehen, ist es fuer uns oft schwierig einen Weg zu finden, mit den Maedchen wirklich effektiv arbeiten zu koennen. Ich denke es geht ja um mehr als nur Eindruecke zu gewinnen… Was habt ihr also nochmal so gemacht und wie habt ihr Euch Euren Weg gebahnt?
So meine Lieben, ich werde dann mal aufhoeren. Wenn man nichts mehr zu sagen hat, sollte man es auch nicht unnoetig ausdehnen.

Bis zum naechsten Wochenende
Love and Peace
Nina

4 comments:

Theda said...

Hey Ho,
na du Schickse!!!???? ISt echt supe spannend zu lesen was du so schreibst!! Ich bin neidisch! Wann genau kommst du eigentlich wieder? Um mal deine Frage an Anna zu beantworten, wir hatten so gut wie immer einen Übersetzer dabei! Und falls mal nich, halt mit Händen und Füßen!
Gaaaaanz liebe Grüße, Theda

Anonymous said...

Hi Nina,
liebe Grüße erstmal aus dem schönen Münster schickt dir die Melle.
Wow...endlich biste da....und ist doch garnicht so schwierig denn Schritt zu wagen??!!

Ja, die gleichen Anlaufschwierigkeiten hatte ich auch, als ich in Indien war. Totale Umstellung.....die Leute dort haben andere Probleme als wir hier.
Habe ja mit Selbsthilfegruppen für Frauen gearbeitet, da wurde ich schon mit Sachen konfrontiert, mit denen man sich nicht alltägl. befaßt. Aber das Leben in "solchen Welten" ist einfach ANDERS, auch dass muss man akzeptieren und lernen damit umzugehen.
Es dauert ebend seine Zeit, etwas zu verändern, das passiert nicht Morgen oder Übermorgen.

Habe in Indien auch ein Heim besucht, wo genau aus diesen Gründen die du genannt hast (und die dich schockiert haben)Frauen hinkommen und ihre Babys austragen. Das war auch für mich die Harte Wahrheit, es ist nicht nur Friede Freude Eierkuchen. Wie du ja weißt, bin ich adoptiert und genau aus solch einem Grund (den du in deinen vorigen Mails beschrieben hast) abgegeben worden. Und ehrlich, ich bin dankbar dafür, dass solch eine Entscheidung (mich zur Adoption frei zugeben) damals getroffen wurde.

In den Selbsthilfegruppen haben wir versucht, den Frauen beizubringen, dass sie selbstständiger werden und sich nicht vom Mann abhänig machen sollen, aber solche Sachen brauchen viel Geduld und Zeit.

Ich habe mit den Frauen "Workshops" gemacht, zu Handarbeiten. Wie sie Geld verdienen können...was praktisches ebend. Vielleicht beantwortet dir das ja deine Frage, bezüglich Projekt - Kfh.

Ok, Nina, hoffe dir geht es gut und wir sehen bald FOTOS. Lass es dir jut gehen. Und das mit den Magenproblemen wird schon wieder und so lange du Klopapier hast ist die Welt noch in Ordung :-)

Liebe Grüße Melle

katharina said...

Hi Nina,
habe gestern beim Hauskreis Deine Blogadresse von Sandra bekommen. Voll gut. Jetzt kann ich immer sehen, was Du so machst. Klingt ja nach einer Herausforderung! Aber die machen das Leben ja so lebenswert...
Tanke gerade in Münster Freundschaften auf und natürlich muss ich auch ein bisschen KFHen. Fahre am Mittwoch nach Bristol zurück und werde mich mal daran machen, mir das zur Heimat zu machen...
Schön, wenn wir ein bisschen über die Blogs Kontakt halten können.
Viel Glück noch mit Arbeit und Sprache und so...

anna said...

hey...

Was heißt projekte selber aus dem Boden gestampft?! Wir haben halt immer alles abgesprochen mit der Orga. Zumal wir eh Projekte en masse hatten!!! Und wie Theda schon sagt, hatten wir meistens einen übersetzter dabei. Was hast du denn vor???

aybovan! ;-)